Atli – Nachruf

Seit Sommer 2025 hat Atli immer mehr Muskeln verloren und trotz Zusatzfütterung stark abgenommen. Langsam sah man ihm seine über 33 Jahre an. Sein Lebenswillen war jedoch ungebrochen und im Kopf war Atli immer noch der Junge, Wilde.

In den letzten Wochen konnte man zuschauen, wie Atlis Lebenslicht immer kleiner wurde. Seine letzte Reise war geplant.

Am 21.12.2025 während des Morgenstalldienstes ist Atli gestolpert und unglücklich hingefallen. Mit seinen mehr als 33 Jahren fehlte ihm nach dem Sturz die Kraft, wieder aufzustehen. Wir mussten Atli einschläfern und ihn seine letzte Reise antreten lassen.

Atli hat auch bei seiner letzten Reise selbstbestimmt gehandelt und selbst entschieden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist zu gehen. Er hat das Ticket in den Himmel, schon etwas früher als geplant, gelöst.

Atli wurde am 26. Mai1992 in Deutschland geboren. Seit Mai 2002 lebte Atli bei uns auf dem Therapiehof. Anfangs hatte er als Herdenchef seine Herde im Griff.

Atli war ein unglaublich geniales, aussergewöhnliches, charakter- und ausdruckstarkes Pferd. Vor seinen beiden Unfällen hatte er wunderbare Gänge, grosse, kraftvolle Bewegungen, sogar Turniererfahrung, und über all die Jahre eine unglaubliche Lebensenergie.

Atli hatte viele Leben! Neben seinen beiden Unfällen, bei denen er sich die Verlängerung der Elle am linken Vorderbein gebrochen hatte, hatte er einmal auch eine schwere Darmentzündung, die er nur dank seinem starken Willen überlebt hat.

Obwohl er schon sehr lange keine gerittenen und am Schluss auch keine geführten Einsätze mit Klienten mehr gehabt hatte, nahm Atli in der Herde eine wichtige Rolle ein. Er hatte immer noch «seine» Stuten Askja und Karmella und viele Freunde bei den Wallachen. Er war Mentor für die jungen Pferde und hat die neuen Pferde unter seine Fittiche genommen.

Bis kurz vor seinem Tod war Atli immer noch bei den vordersten Pferden, wenn es morgens auf die Weide ging. Grundsätzlich strahlte Atli Ruhe und Sicherheit aus. Hektik kannte Atli nur beim Fressen. Er verjagte bis beinahe am letzten Tag die anderen Pferde, wenn er dachte, dass der Heuhaufen bei seinem Freund eventuell besser sein könnte als der Heuhaufen, bei dem Atli zuletzt gefressen hatte. Dass er in seinem letzten Lebensjahr so viel Zusatzfutter erhielt, hat er enorm genossen und diesen Sonderservice sehr geschätzt.

Wie die Herde von Atli Abschied genommen hat, war unglaublich berührend. Sie zeigte die Wertschätzung und Wichtigkeit, die Atli immer noch ausgeübt hat.

Selbst im Tod hatte Atli noch immer die Mähne im Wind. Nun kann er mit all seinen Freunden, die ihm schon vorangegangen sind, über unendliche grüne Wiesen galoppieren.

Ich danke allen, die Atli in seinem Leben Gutes getan haben, allen, die ihn verwöhnt, gefüttert, bewegt und geschätzt haben und allen, die Atli in seinen letzten Minuten begleitet haben und ihm die Reise so erleichtert haben…